Nachgefragt
Kraftquelle Weltgebetstag

- "Ping An" begrüßte Kathrin Schwarze 2023. Im Fokus des Weltgebetstags stand Taiwan.
- Foto: Foto: Regina Englert
- hochgeladen von Online-Redaktion
Am ersten Freitag im März wird in den Kirchengemeinden der Weltgebetstag gefeiert. Die Gottesdienste seien schon in der DDR ein Fenster zur Welt gewesen, erklärt Kathrin Schwarze. Beatrix Heinrichs hat mit der Frauenbeauftragten im Kirchenkreis Südharz gesprochen.
1975 gründeten Frauen in der DDR, vier Jahre später als in der Bundesrepublik, ein eigenes Weltgebetstagskomitee. Können Sie sich an Ihren ersten Gottesdienst erinnern?
Kathrin Schwarze: Das war 1982, da war ich zwölf. Die ersten Gottesdienste haben wir, fast heimlich, bei uns zu Hause am Couchtisch gefeiert. Es gab eine große Unsicherheit, inwieweit das verboten sein oder uns schaden könnte. Ich bin selber Pfarrerstochter und in einem sehr engagierten Pfarrhaushalt im tiefen Thüringer Süden, jenseits des Rennsteigs aufgewachsen. Meine Eltern öffneten das Pfarrhaus zum Beispiel auch für die ausländischen Vertragsarbeitnehmer aus Angola, Tansania oder Mosambik, die in Suhl tätig waren. Diesen Blick aus dem Fenster in die Welt haben sie gesucht. Auch Kontakte in die Bundesrepublik haben sie gepflegt, zu den Frauenkreisen von Partnergemeinden. Auf diese Weise kam meine Mutter immer an eine Weltgebetstagsordnung ran. Wir hatten keine Materialien, nur diese Ordnung – aber an der haben wir geklebt. Das war für mich eine Welterfahrung. In uns hat sich damals eine Sehnsuchtssolidarität entwickelt.
Teilen diese Solidarität auch Männer?
Unbedingt. Der Weltgebetstag ist nicht für Frauen weltweit, sondern von Frauen weltweit. Und ich kenne mittlerweile eine ganze Reihe von Männern, die den Wert dieses Gottesdienstes erkannt haben. Es geht um das informierte Beten und das betende Handeln. Neu ist seit einigen Jahren, dass die Frauen eines Landes uns um eine Selbstverpflichtung bitten. Das, was wir durch sie erfahren haben, muss im besten Fall auch etwas mit uns machen.
In diesem Jahr kommt die Liturgie von den Frauen der Cookinseln. Welche Erfahrungen verbinden uns hierzulande mit den Frauen im Südpazifik?
Es sind die Herausforderungen durch den Klimawandel, der Umgang mit dem postkolonialen Erbe, die Frage nach der eigenen Kultur. Die Cookinseln waren britisches Protektorat und die Maori eingeschränkt, ihre Sprache und Riten verboten. Und trotzdem sind die Frauen nicht verbittert über ihre Vergangenheit.
Ist das eine Botschaft, die Frauen im Osten Deutschlands besonders anspricht?
Ich bin im Beirat der Evangelischen Frauen in Deutschland und vertrete ehrenamtlich den Weltgebetstag im Komitee – als eine von zwei Frauen aus dem Osten. Durch unsere Vergangenheit und Sozialisation bringen wir hier eine andere Perspektive ein. Ich begreife das als Chance: Wir müssen wieder lernen, sensibel zu sein, zuzuhören, und bereit sein, uns mit unserer Geschichte auseinandersetzen. Nur das kann unser Handeln verändern. Das ist auch eine Botschaft, die der Weltgebetstag mit dem Fokus auf die Cookinseln in diesem Jahr vermittelt.
Was können die Frauen in den Gemeinden hier von den Schwestern aus der Südpazifik-Region lernen?
Was wir von ihnen lernen können, und das dringend, ist, dass wir nicht nur im Handeln denken. Wir deutschen Frauen sind immer sehr pragmatisch. Da muss ein Plan her, da muss dies her, da muss jenes her. Und dann stellen wir fest: Das macht uns müde und strengt an, und wir lassen sehr viel Kraft. Die Frauen der Cookinseln weisen uns darauf hin, dass die Kraft von Gott kommt – aber wir müssen uns auch mit dieser Quelle auseinandersetzen. Der Gebetstagspsalm 139 sagt: Gott, du hast mich wunderbar geschaffen. Wenn ich das im Gottesdienst höre, geht es zum einen Ohr rein, zum anderen raus. Es berührt mich kaum noch. Aber da müssen wir unbedingt wieder hin!
Autor:Beatrix Heinrichs |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.