ZUKUNFTSMUSIK
Was man einmal so alles nach seinem Berufsleben erhofft
Irgendwann einmal
werden wir frühmorgens ausschlafen,
der Wecker kann uns mal, und wenn
die Vögel krakeelen, werden wir uns
noch einmal auf die Seite drehen.
Irgendwann einmal
wird die Woche vor uns liegen,
und sie wird kaum einen Termin
haben, nackt wird sie sein und
faltenlos wie ein Baby-Hintern.
Irgendwann einmal
wirst du mit deiner Freundin Dorle
die lange geplante Tour zu den
Thüringer Dorfkirchen machen, und
ihr werden nicht auf den Tag schauen.
Irgendwann einmal
werden noch ein bisschen reisen
müssen: noch einmal nach Jerusalem,
Rom und Paris. Hoffentlich auch Athen,
London und Stockholm. Vielleicht
Damaskus, Aleppo und Palmyra?
Irgendwann einmal
werde ich mich mit meinem alten Freund
S. treffen müssen. Wir werden zusammen
sitzen, von früher reden und davon, wie
es kommen konnte, dass unsere Freundschaft
einfach so sich verlaufen hat?
Irgendwann einmal
wird unser Haus in Hem so sein,
dass wir darin leben können: außen in Ocker
mit passenden Bändern, die Fenster helles
Meranti mit weißen Faschen.
Irgendwann einmal
-hoffentlich oft- werden uns unsere Enkel
besuchen, nicht alle auf einmal, der Justus
und der Benjamin, die Julia, die Klara und
die Rieke. Und es könnte ja sein, dass
noch ein paar dazu kommen?
Irgendwann einmal
werden wir uns im Krankenhaus besuchen.
Du wirst dies oder das haben, -der Himmel
verschone uns vor allzu schwerer Last- und
ich ahne schon, was auf mich zukommt,
aller Voraussicht nach.
Irgendwann einmal
werden wir gestorben sein, -gnädig sei der,
dessen Name Güte ist-, und in einem Grabe
liegen. Aber eines wünsche ich mir, dass ich
einmal liegen möge an deiner Seite.
Autor:Martin Steiger |
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