Zentralrat der Juden
Kritik an deutscher Israel-Außenpolitik

Foto: epd-bild/John MacDougall, Pool

Berlin (kna) - Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat die deutsche Außenpolitik kritisiert. "Die Bundesrepublik Deutschland hat mich enttäuscht, was ihr öffentliches Eintreten bezüglich des Schicksals der Hamas-Geiseln angeht", sagte er. "Gerade das Auswärtige Amt hat sich meist vornehm zurückgehalten, um vermeintliche Verhandlungspartner nicht zu verprellen." Die Bundesregierung weist die Vorwürfe zurück.

Schuster erklärte: "Aufrufe zur Freilassung der Geiseln wurden meist mit mahnenden Worten an Israel ergänzt; was für eine Indifferenz!" Zuletzt sei das "gähnende Schweigen" zur Beerdigung von Shiri Bibas und ihren beiden Kindern aufgefallen, "die auch die deutsche Staatsangehörigkeit besessen haben und deren Schicksal unser aller Herzen zerrissen hat: ein Tiefpunkt deutscher Außenpolitik".

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes erklärte, er halte die Kritik für nicht gerechtfertigt. Die Bundesregierung habe sich immer wieder für die Geiseln eingesetzt. Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) habe unter anderem bei jedem ihrer vergangenen Besuche in Israel freigelassene Geiseln und deren Angehörige getroffen.

"Bundespräsident viel wirkmächtiger"

Das geplante Treffen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit aus dem Gazastreifen befreiten Geiseln sowie Angehörigen noch Verschleppter an diesem Mittwoch im Schloss Bellevue wertete Schuster indes als ein positives Zeichen. Er lobte das Agieren des Staatsoberhaupts: "Seit seinem Besuch in Israel im November 2023 und durch seine guten Kontakte zum israelischen Staatspräsidenten Herzog hat der Bundespräsident einen Rahmen für Deutschland geschaffen, öffentlich viel wirkmächtiger für die Freilassung der Geiseln einzutreten - genutzt wurde das bedauerlicherweise nicht."

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Online-Redaktion

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