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Telefonbuch und Bibel

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Der kryptische Code 2K104 führt mich nicht im Escape-Room aus einem Labyrinth, sondern zum Stand von Wartburg Verlag und Kirchenzeitung auf der Leipziger Buchmesse.
Von Uwe Kraus
Ich gestehe, mein Bücherschrank beheimatet nicht nur Weltliteratur. Manches Rezensionsexemplar ist eine echte He-rausforderung. Dann darf ich das „Leser-Schwert“ zücken. Es ist nötig, um Relevantes aus der Bücherflut zu fischen, Hintergründe im Strom zu erklären und aufzuzeigen, welches bedruckte Papier man als Konsument getrost "über den Jordan gehen" lassen kann.
Eine Autorin hat mich zum Kaffee eingeladen, ein preisgekrönter Wortakrobat hat mir Dresche angeboten, Verlage den einzig wohlmeinenden Satz in ihren Jahreskatalog gedruckt. Wer liest, kennt das: Manche Literatur braucht Beharrungsvermögen, bis zur letzten Zeile gelesen zu werden. Mehr Mut! Schlagt das Buch laut zu und stört damit die gerade entschlummerte Ehehälfte – bevor ihr selbst entschlafen seid und die herunterstürzende dicke Buchstabensammlung einen Kratzer auf der Nase hinterlässt.
Lange stritt man sich, welches Buch auf der Welt die höchste Auflage verzeichnet: Bibel oder Telefonbuch? Einst als „Buch der Narren“ betitelt, gelten Telefonbücher nicht mehr als Bestseller, sondern stehen als Ladenhüter in der Postagentur, auf Supermarkt-Paletten oder in Tankstellen.
Das Buch der Bücher dagegen wurde 2024 mit rekordverdächtigen 333 000 Bibelausgaben in verschiedenen Sprachen und Übersetzungen verbreitet. Ganz oben rangieren dabei die "Gute Nachricht" und die "BasisBibel". In Messehalle 2 am Stand K104 kann man sich überzeugen, welch großer Geist da seit 600 Jahren zwischen zwei Stück Pappe gepresst wird.


Autor:Uwe Kraus |
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