Wort zur Woche
Wo Gegensätze zusammengehören

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Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Johannes 12, Vers 24


Unter den Deutungen, die das Sterben und der Tod von Jesus im Neuen Testament erfahren, spricht der Evangelist Johannes eine eigene Sprache.

Von Ulrich Placke

Eine christliche Gemeinde besonderer Prägung findet hier gegen Ende des ersten Jahrhunderts eigene Antworten abseits vom überlieferten Sühnegedanken: Es geht um bis zur Vollendung gelebte Hingabe und Liebe (13, Vers 1). „Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe“ (10, Vers 11), und es ist die größte denkbare Liebe, dass jemand „sein Leben lässt für seine Freunde“ (15, Vers 13).

Der Wochenspruch bietet ein weiteres Bild an: das Weizenkorn, zu dessen Bestimmung nicht unter anderem, sondern wesentlich „Sterben“ gehört, das heißt: sich selbst aufgeben, damit daraus „Frucht“ entstehen kann. Anders als beim Gleichnis vom Senfkorn im Markusevangelium (4, Vers 31–32) liegt der Schwerpunkt hier nicht im Wachsen, sondern im Sterben. Der Tod von Jesus, heißt das, war die nötige Voraussetzung dafür, dass die Gemeinde entstand; sie blickt bis heute auf sein Leben und Sterben als bis zur Vollendung gelebte Liebe zurück und verdankt dieser Liebe ihr Leben.

Nach Johannes ist es ein königlicher Weg, den Jesus da gegangen ist; sogar die Kreuzigung ist hier nicht tiefste „Erniedrigung“ wie bei Paulus (Philipper 2, Vers 8), sondern „Erhöhung“ (Johannes 3, Vers 14f. und 12, Vers 32). Das Kreuz zuletzt wird so sogar zum Thron – was für ein ungewohntes Bild! Schon das Neue Testament bietet also verschiedene Wege an, das Geschehen um den Karfreitag zu verstehen. Wir tasten uns lebenslang an diesen Deutungen entlang und begreifen je länger je mehr, dass es all unser Verstehen-Können übersteigt. Sogar die Gegensätze (Erniedrigung und Erhöhung) gehören hier zusammen, fallen sogar in eins, wie das nur in Gott selber überhaupt möglich ist. Da hört auch alle unsere Beredsamkeit auf, und wie bei einer Bachschen Passion können wir nur immer wieder neu hören, hinsehen und es auch an uns geschehen lassen.

Der Autor ist Pfarrer i. R. aus Weimar.

Pfarrer i. R. Dr. Ulrich Placke | Foto: U. Placke
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